12.03.2019 - Adalbert Hofmann

Grüezi mitenand? - Nein, sali!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Die alte Frau - nein, alt ist sie nicht, überhaupt nicht: So um den Eintritt in den AHV-Klub herum wirkt sie noch jugendlich, eine vife Grossmutter, im besten Alter eben. Aber dass sie nicht mehr am Wettbewerb um die Miss Teenie mitmachen kann, ist unübersehbar, trotz dem Prädikat «beneidenswert gut erhalten». Diese Einleitung ist - Entschuldigung! - eben wichtig, um die nachfolgende Schauergeschichte verstehen zu können.

Also, unsere ältere Dame hat die Gewohnheit, am Nachmittag mit ihrem Hündchen einen Spaziergang zu unternehmen, wie man das als Hundebesitzerin so tut. Und wie das viele halt immer etwa zur gleichen Zeit tun. Diese Systematik wurde in letzter Zeit zum Stolperstein. Denn auf dem schmalen Waldweglein, das zum Rundgang gehört, tat sich kürzlich ein Hindernis auf, in Form von drei Frauen, so Nichtmehrganzblutjungsondernhalbwegsälter, in Begleitung ihrer massiven Kinderschar samt entsprechenden Wagen und zugehörigen Spiel- und Sportgeräten.

Und sie standen mitten auf dem Weglein und quatschten und klatschten und kicherten und versperrten der Spaziergängerin den Weg. Und sie machten nicht die geringsten Anstalten, Platz zu machen. Unsere ältere Dame quetschte sich samt Hündchen durch die aufgeregte Gruppe, und eingedenk ihrer Erziehung von ehedem war sie der Meinung, ein Gruss sei angebracht, auch wenn er eigentlich von den jungen Frauen hätte kommen müssen. «Grüssgott miteinander!» Nein, eine Antwort kam nicht, der Gesprächsstoff war ganz offensichtlich allzu interessant.

Eine Woche später, zu gleicher Zeit, dieselbe Situation. «Grüezi mitenand!» - vergebens. Die allmählich frustrierte Dame wollte sich damit nicht abfinden und griff zu einem Trick. Nochmals eine Woche später: «Sali zäme!» machte sie auf Anbiederung - und siehe da: «Sali, tschüss!», auch wenn die jungen Schnatter-Frauen keine Ahnung hatten, wer ihnen da im Wald begegnete. Dass beim nächsten Treffen gar ein freundliches «Sali, wie gahts dir?» zurück kam, bestärkte unsere Dame in der Erkenntnis, dass es offenbar nur noch per Du geht, auch wenn dabei die guten alten mitteleuropäischen Konventionen auf der Strecke bleiben.

Die Kinder der besagten jungen Frauen übrigens grüssen noch heute nicht. Aber wenn sie dann bald mal in den Kindergarten und in die Schule gehen, werden sie wohl noch Anstand lernen - schliesslich ist heutzutage die Schule und nicht mehr das Elternhaus für das Erziehen da!

Dass das gut heraus kommt bezweifle ich allerdings, wenn ich an Hänschen denke und an den Hans, der später halt nicht mehr so lernfähig ist. Aber vielleicht ist es besser, wenn die Goofen schweigen. Denn sonst wäre von ihnen auf dem schmalen Waldweg möglicherweise ein «Heh, Alte, mach mal Platz, gopfert…!» zu vernehmen.

Gastautor: 
Adalbert Hofmann
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